Konservierung & Schenkungen

Manchmal tauchen nach 70 Jahren noch persönliche Gegenstände und Objekte aus der Zeit des Krieges auf. Sie mögen auf den ersten Blick vielleicht wertlos erscheinen, oft verbirgt sich dahinter jedoch ein Schatz an Informationen. Die Kaserne Dossin hat im vergangenen Jahr einige ganz besondere Schenkungen erhalten: hunderte von Briefen, Fotos und Dokumenten der Deportierten und ihrer Familien. Auch das Schachbrett von Mala Zimetbaum und das Familienfotoalbum des Lagerkommandanten Frank werden sicher in unseren Archiven aufbewahrt.
Wer über Fotomaterial, Dokumente, Zeitungen, Pamphlete, Marken, Briefe usw. verfügt, kann sie der Kaserne Dossin zur Aufbewahrung überlassen. Weitere Informationen über die Archivarbeit und die Konservierung erhalten Sie bei einem ersten Gespräch.

Im vergangenen Jahr erhaltene Schenkungen

Sarah Goldberg - Fonds Goldberg:
Am 19. Juni 2013 schenkten Simon Henri, Michel und André Goldberg der Kaserne Dossin eine Sammlung von Originalfotos, Archivstücken und Gemälden ihrer Mutter Sarah Goldberg (Radoszyce, 1921 – Sint-Lambrechts-Woluwe, 2003). Sarah Goldberg war die Tochter einer polnischen Familie, die 1930 nach Belgien auswanderte. Während der Besatzung war die junge Frau Mitglied des Spionagenetzes Rote Kapelle und der Widerstandbewegung der „Bewaffneten Partisanen”. Am 4. Juni 1943 wurde sie, nachdem man sie in Brüssel verraten hatte, verhaftet und am nächsten Tag in der Kaserne Dossin abgeliefert. Am 31. Juli 1943 verließ sie Mechelen in einem Zug mit Bestimmung Auschwitz-Birkenau. Sarah Goldberg wurde bei der Ankunft zur Arbeit im Lager ausgewählt. Nach der Evakuierung von Auschwitz-Birkenau musste sie auf Todesmärschen nach Ravensbrück, Malchow und schließlich nach Leipzig. Dort wurde Sarah Goldberg am 23. April 1945 von der Sowjetarmee befreit.

Sylvain Honigwachs & Mala Zimetbaum:
Eine besonders wertvolle Schenkung wurde der Kaserne Dossin anvertraut: die Besitztümer von  Sylvain Honigwachs und das Schachbrett von Mala Zimetbaum. Die Schenkung stammte von Henri, der als Zwölfjähriger Zeuge der Razzien in Antwerpen war. Nach den Gewalttaten blieben in Henris Straße viele Wohnungen leer. Er besuchte die Wohnung der Nachbarn, die über ihm wohnten und fand dort den Malkasten, ein Bilderalbum und ein Buch seines abtransportierten Spielkameraden Sylvain Honigwachs. Die Familie bestehend aus Vater, Mutter und zwei Söhnen wurde mit  Transport IV deportiert und überlebte den Holocaust nicht.
Nach der dritten Razzia am 11. und 12. September 1942 ging Henri in das leere Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort hatte die 24-jährige Mala Zimetbaum gewohnt. Henri fand dort ein vollständiges Schachbrett, das der jungen Frau gehörte. Er nahm es mit und hat es jahrzehntelang aufbewahrt. Wir wissen von Mala Zimetbaum, dass es ihr im Juni 1944 zusammen mit dem polnischen Gefangenen Edek Galinski gelang, aus Auschwitz zu fliehen. Einige Wochen später wurde das Paar erneut verhaftet und hingerichtet.