Thema Masse

Die Ausstellung wird mit einem gigantischen Foto aus dem Jahr 2012 eingeleitet. Es zeigt einen lyrischen, ausgelassenen, fast schon ekstatischen jungen Mann auf dem Musikfestival Tomorrowland. Der rote Faden in dieser Etage ist die Masse. Was geschieht, wenn die Regierung die gewaltige Kraft der Massen missbraucht und sie zu einem Instrument der Gewalt transformiert? Auf der dem Foto gegenüberliegenden Seite können Sie sich den Film „Triumph des Willens” von Leni Riefenstahl aus dem Jahr 1935 ansehen, in dem eine ausgelassene Menge Adolf Hitler zujubelt. Während die Jugend auf dem Foto mit dem feiernden jungen Mann in einer pluralistischen von Vielfalt geprägten Welt aufwächst, war die außer sich geratene Menge im Jahr 1936 eine gefährliche Kraft. Wer nicht in das Naziprojekt passte, wurde gejagt, verfolgt, hinausgeworfen und eliminiert.

Die grimmigen Fotos aus Deutschland aus den 1920er - 1930er Jahren zeigen, wie eine entrüstete Menge polarisierte, agierte und auch immer mehr Gewalt hervorrief: politische Gewalt, rassistische Gewalt… Auch Frauen und Kinder schauten lachend zu, als die „Feinde” gejagt, jüdische Geschäfte boykottiert und Synagogen angezündet wurden.

Dem stand ein völlig anderes Belgien gegenüber. Fotos, Dossiers und Interviews zeigen das Leben der Juden und Sinti und Roma in Belgien in den 1920er und 1930er Jahren. 90% dieser Menschen waren Ausländer und vor allem waren sie arm. Sie fanden in Belgien eine relativ sichere Bleibe. Das Museum zeigt die Ähnlichkeit zwischen ihrem sozialwirtschaftlichen Profil und dem Profil der heutigen Einwanderer. Sie flohen vor der Armut und den politischen Umständen, suchten mehr oder weniger Kontakt zu ihren Landsleuten, lebten in großer Diversität und versuchten, auf Netzwerke zurückzugreifen.

Nach dem Einmarsch der Deutschen am 10. Mai 1940 brach der Rechtsstaat in Belgien unter anderem durch die Registrierungspflicht der Juden im Herbst 1940 zusammen. Von diesem Augenblick an diskriminierten die Besatzer mit Unterstützung der belgischen Behörden die Juden. Überall im Land waren Juristen und Staatsdiener dazu bereit, die Durchführung der neuen Rechtsordnung im Sinne der neuen Machthaber zu betreuen. Multimediainstallationen erwecken diese scheinbar „langweiligen” Verwaltungsangelegenheiten zu neuem Leben. 



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