Thema Tod

Im tragischen Sommer des Jahres 1942 fuhren zum ersten Mal Bahntransporte von der Kaserne Dossin aus nach Auschwitz-Birkenau. 25.484 Juden und 352 Sinti und Roma aus Belgien und Nordfrankreich wurden von Mechelen aus abtransportiert. Kaum 5 % von ihnen kamen lebend zurück. Das Thema dieser Etage ist deshalb auch: Tod.
Ein langer Gang führt zu einem großen Foto von Auschwitz-Birkenau. Sie folgen der Entwicklung der planmäßigen Judenvernichtung in Osteuropa. Zwei Fotoalben werden einander gegenüber gestellt. Auf der einen Seite sehen Sie das „Lili Jacob Album” von der Ankunft des Zugs mit den ungarischen Juden in Auschwitz im Mai 1944. Darin befinden sich die bekannten Bilder von der Ankunft und der Auswahl und vom Warten vor den Gaskammern. Dem gegenüber steht das faszinierende und schockierende „Höcker-Album” aus dem Sommer 1944 mit Fotos des SS-Lagerpersonals von Auschwitz-Birkenau in Augenblicken der Entspannung und in der Freizeit. Man sieht lachende und singende Gruppen von Menschen, Menschen, die sich in einem Sessel ausruhen, bei einem Ausflug, ausgelassen an einem Tisch, gemütlich unter dem Weihnachtsbaum. Zu sehen ist dort auch ein charmanter, schöner, lachender Mann: Es ist Josef Mengele, der „Engel des Todes”.

Die Nazis hatten die Juden zum Erzfeind erklärt. Es galt „sie oder wir”. Auch Frauen und Kinder mussten umgebracht werden, um zu vermeiden, dass die nächste Generation sich rächt. Diese neuen ethischen Codes gingen Hand in Hand mit der Entmenschlichung der Juden und der Gewöhnung an eine ständig wachsende Gewalt. Die SS-Leute waren deshalb auch keine Verrückten oder Teufel, sondern ganz „normale Menschen”, wenn auch mit einem völlig anderen Verständnis von Moral, in etwa vergleichbar mit den Hutus, die es „richtig” fanden, die Tutsis auszurotten, oder den Roten Khmers, die es „richtig” fanden, bestimmte Gruppen der Bevölkerung zu töten. Jede Gesellschaft beruht auf einer bestimmten Ideologie.

Wir begeben uns zurück ins besetzte Belgien. Dort waren zwischen 1942 und 1944 mindestens 15.000 Juden untergetaucht. Sie konnten sich auf die Hilfe sehr vieler Mitbürger berufen. Im Sommer und Herbst 1942 formierte sich auch ein organisierter bewaffneter Widerstand, an dem viele Juden teilnahmen.

Das Museum geht auch tiefer auf die Verarbeitung des Nachkriegstraumas ein. Das zentrale Thema dieser dritten Etage ist zwar „Tod”, aber die Frage, wie für die Verfolgten, die das Glück hatten, den Krieg zu überleben, noch ein Leben danach möglich war, ist sicher genau so wichtig. 
 



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