Thema Angst

Die Diskriminierung der Juden im besetzten Belgien nahm in der Zeit von 1940-1942 deutlich zu. Das Land war ein Polizeistaat geworden. Die Regierung arrangierte sich mit den Machthabern und ließ es geschehen. Die Besatzer setzten antisemitische Propaganda im großen Stil ein und behaupteten, die Juden seien Schuld am Krieg. Die Juden wurden als minderwertige Rasse abgestempelt und entmenschlicht. Antisemiten stifteten zum Hass an und hinterließen im April 1941 eine Spur der Zerstörung im Antwerpener Judenviertel. Eine vergleichbare Art von Gewalt ließ sich beispielsweise auch bei den Lynchmorden an Schwarzen in den Vereinigten Staaten bis in die 1960er Jahre feststellen.
 
Die Juden selber lebten – und das ist eine weitere Parallele im Museum – in einer Art Apartheid. Sie wurden immer ärmer und isolierter und schließlich verhaftet. Das Thema dieser Etage ist deshalb auch Angst, das Grundgefühl bei der lebenswichtigen Frage, die sich immer wieder aufs Neue stellt: Was soll man tun?

Das gigantische Foto von dem „Tank Man”, dem unbekannt gebliebenen Chinesen 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking, ist einerseits ein Symbol für die Frage nach dem Sinn des Widerstands gegen totalitäre Regime. Widerstand ist selten rational und durchdacht, sondern im Gegenteil eher emotional und prinzipiell. Genau wie bei dem „Tank Man”. Sein Widerstand scheint vollkommen sinnlos zu sein. Er stand vor einer unbekannten Zukunft und konnte nicht ahnen, dass das Foto einmal zu einer Ikone werden würde, zu einem Sinnbild für politische Verfolgung im späten 20. Jahrhundert. Andererseits symbolisiert das Foto auch die Tatsache, dass die meisten Menschen, die zwischen 1940 und 1944 auf die eine oder andere Weise Widerstand geleistet haben, anonym geblieben sind. Sie haben oft ganz vorsichtig die Grenzen des Möglichen abgetastet. Es sind die stillen Helden ihrer Zeit.

Wie lebten die Juden im besetzten Belgien? In drei aufeinander folgenden Sälen können Sie mit Hilfe Ihres Audioführers 25 Geschichten von konkreten Ereignissen kennen lernen, so wie man sie 1941 und 1942 erlebt hat. Die schleichende Diskriminierung wurde immer intensiver. Im Sommer 1942 begannen die Deportationen und Razzien, manchmal in Zusammenarbeit mit der belgischen Polizei. Die deutsche Militärverwaltung in Belgien war auch für Nordfrankreich zuständig und dort geschah genau das gleiche. In dieser Zeit schlug die traurige Gelassenheit der Juden in große Panik und totale Verzweiflung um.
 
Gleichzeitig nahm ab 1941-42 auch der viel riskantere geheime und „illegale” Widerstand Gestalt an und das vor allem durch die illegale Presse. Der bewaffnete pro-jüdische Widerstand, der auch Anschläge verübte, entstand in Belgien aber leider erst, als es für viele schon zu spät war. Von August bis Oktober 1942 wurden 17.000 Juden und damit 70 % aller Deportierten über die Kaserne Dossin abtransportiert.
 



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