Sammlungen

Das wichtigste Ziel des Archivs ist das Sammeln, Aufbewahren und Digitalisieren von Originaldokumenten und Archiven über den Holocaust in Belgien und Nordfrankreich. Ein großer Teil der Sammlung kann in unserem Dokumentationszentrum eingesehen werden. Eine Übersicht der wichtigsten Archive:

1.       Eigene Sammlung
Die Kaserne Dossin-Sammlung besteht aus Archivmaterial, Fotos, Zeitungen und wertvollen Druckwerken, die dem Archiv meistens von Privatleuten anvertraut wurden. Einen wichtigen Teil der eigenen Sammlung bilden die Archive der Jüdischen Vereinigung in Belgien, die vorher im Nationalen Widerstandsmuseum und dem Centre National des Hautes Etudes Juives aufbewahrt und von beiden Instituten der Kaserne Dossin überlassen wurden. Einsehbar: Ja, vorzugsweise digital.
 
2.       Transportlisten 
Diese Listen wurden in der Zeit von Juli 1942 – September 1944 im SS-Sammellager erstellt. Aufgrund dieser außergewöhnlichen Unterlagen kann die Identität aller Juden, Roma und Sinti, die von der Kaserne Dossin aus deportiert wurden, festgestellt werden. Mit Genehmigung der Generaldirektion für Kriegsopfer, dem Eigentümer und Hüter der Originale, hat die Kaserne Dossin die wertvollen Unterlagen digitalisiert. Einsehbar: Ja, ausschließlich digital. 
 
3.       „Relikte” 
Zu der Sammlung „Relikte” gehören Briefumschläge, die von der Verwaltung beschlagnahmte Unterlagen enthalten, die die jüdischen Menschen bei ihrer Ankunft im Sammellager bei sich hatten. Es handelt sich dabei um Originale von Briefen, Heiratsurkunden, Ausweisen, Diplomen,… der Deportierten der Transporte XX bis XXVI. Die Generaldirektion für Kriegsopfer ist Eigentümer dieser „Relikte”, die Kaserne Dossin bewahrt sie in ihrem Depot auf. Einsehbar: Ja, vorzugsweise digital.
 
4.       Karteikarten der in Frankreich internierten und/oder von Frankreich aus deportierten Juden, die vor dem 10. Mai 1940 in Belgien wohnten.                                                                                                                                                
Diese Karteikarten beziehen sich auf rund 8 000 jüdische Personen und wurden mit Genehmigung der Generaldirektion für Kriegsopfer, dem Eigentümer und Hüter der Sammlung, von der Kaserne Dossin digitalisiert. Der größte Teil dieser Karteikarten wurde nach dem Krieg erstellt. Einsehbar: Ja, ausschließlich digital. 
 
5.       Archive Möbelaktion
Dieses (unvollständige) Archiv besteht aus Karteikarten mit den Adressen von 2 900 Juden – hauptsächlich aus Antwerpen – deren Hausrat von den Nazis beschlagnahmt wurde. Die Karten wurden mit Genehmigung des Eigentümers – der Koninklijke Vereniging  voor Joodse Weldadigheid  (des Jüdischen Wohlfahrtsverbands) bzw. der Zentrale – von der Kaserne Dossin digitalisiert. Einsehbar: Ja, ausschließlich digital. 
 
6.       Das Judenregister Belgiens
Das Judenregister Belgiens enthält pro Gemeinde alphabetisch geordnete Formulare, die ab Ende 1940 von jeder jüdischen Person, die älter als 14 Jahre war, im Rathaus ausgefüllt werden mussten. Der Großteil dieses Judenregisters wird im Jüdischen Museum Belgiens aufbewahrt, aber auch andere Institutionen, Dienststellen und Kommunen wie Antwerpen, Sint-Jans-Molenbeek, Zonhoven und Jette besitzen noch ein eigenes Exemplar. Alle diese Einrichtungen haben es der Kaserne Dossin gestattet, diese Register zu digitalisieren und zu Forschungszwecken zur Verfügung zu stellen. Einsehbar: Ja, ausschließlich digital. 
 
7.       Mitgliederliste der Judenvereinigung in Belgien
Die Judenvereinigung in Belgien wurde am 25. November 1941 auf Befehl der Besatzungsverwaltung gegründet. Jede jüdische Familie musste sich bei dieser Organisation registrieren lassen. Die Originalunterlagen werden vom Studien- und Dokumentationszentrum Krieg und Zeitgenössische Gesellschaft aufbewahrt. Die Kaserne Dossin verfügt über eine digitale Fassung. Einsehbar: Ja, ausschließlich digital. 
 
8.       Sammlung audiovisuelles Material:
Die Kaserne Dossin verfügt über eine umfangreiche Sammlung an Dokumentationen, historischen Spielfilmen und Interviews, die u.a. Luckas Vander Taelen, Laurence Schram, Marian Handwerker, Ward Adriaens, Frédéric Molle, Myriam Abramowicz und Steven Gaertner gemacht haben. Johannes Blum sprach mit rund 1 000 Überlebenden des Holocaust, Widerstandskämpfern, politischen Gefangenen und untergetauchten Kindern und hat seine Sammlung in der Kaserne Dossin deponiert. Einsehbar: Ja.
 
9.       Dossiers Fremdenpolizei
2005 begann die Scannabteilung damit, die Fotos aus den Dossiers der Fremdenpolizei zu digitalisieren. Danach wurden die vollständigen Dossiers der vom Sammellager in Mechelen aus deportierten und der in Belgien ansässigen von Frankreich aus deportierten Juden und Zigeuner digitalisiert. Die Originale sind Eigentum des Allgemeinen Reichsarchivs. Einsehbar: Ja, mit Genehmigung des  Allgemeinen Reichsarchivs.
 
Das Kaserne Dossin-Dokumentationszentrum verfügt über eine Bibliothek, die vor allem durch Schenkungen erweitert wird. Einige zentrale Themen sind Holocaust, Antisemitismus und Menschenrechte. Werke aus der Bibliothek können im Kaserne Dossin-Dokumentationszentrum eingesehen werden. Sie werden nicht ausgeliehen.