Langerman


12 Original-Plakate zeigen Antisemitismus

Kazerne Dossin ist geehrt, Ihnen zwölf originale und herausragende Plakate präsentieren zu dürfen, die uns durch Herrn
Arthur Langerman freundlich zur Verfügung gestellt wurden. Durch diese Auswahl an Plakaten

können Besucher die großen antisemitischen Themen im Europa der 1930er und - 40erJahre entdecken.


Katalog (PDF)
 
antisemitismus
Antisemitismus ist kein gewöhnlicher Rassismus, sondern bezeichnet den Hass auf ‘den Juden’ weil er jüdisch ist. ‘Der Jude’ ruft bei Antisemiten allerlei Ängste und Fantasien 

hervor. Er ist Kommunist oder Kapitalist, reich oder arm, religiös oder atheistisch. Diese irrationale Angst und Hass fokussieren sich auf ‘den Juden’ als Feind mit vielen Gesichtern. Was er auch sagt oder tut, dieser imaginäre Jude ist die Personifikation des Bösen. Antisemitismus entstand, als sich das Christentum

und später der Islam rund ums Mittelmeer ausbreiteten. Diese monotheistischen Religionen, die unmittelbar vom Judentum abstammen, wurden zu Rivalen der ‘Mutterreligion’. Die erste Welle des Antisemitismus wird deswegen als religiöser Antijudaismus bezeichnet. Zu manchen Zeiten wurden Juden toleriert, weil sie als erste an nur einen Gott zu glauben begannen. Zu anderen Zeiten wurden Juden verfolgt, weil sie Anhänger einer falschen Religion seien und sich weigern würden, die Ankunft des Messias anzuerkennen. Im Mittelalter veränderte sich der Grundgedanke des Antisemitismus. Der Jude wurde nicht mehr bloß als Anhänger des Judentums verachtet, sondern auch für alles gehasst, was er in Wirklichkeit gar nicht ist: Ein Hostienschänder, ein Kindermörder, ein Verbreiter der Pest, ein Brunnenvergifter, ein Christusmörder, ein Teufelsanbeter. 

Ab Ende des 18. Jahrhunderts emanzipieren sich auch die Juden dank der Errungenschaften der Französischen Revolution (1789). Juden lassen sich in neuen und wachsenden Sektoren nieder: dem Finanzwesen, dem Journalismus, der Stadtverwaltung, den Medien, dem Filmsektor, dem Bildungssektor, dem Militär... Stück für Stück erwerben sie gleiche Bürgerrechte und -pflichten. Ihr sozialer Erfolg weckt jedoch auch Neid. ‘Der Jude’ wird für Antisemiten zum allmächtigen
Weltherrscher. Die Fälschung der Protokolle der Weisen von Zion durch den russischen Staat illustriert diese Entwicklung. Auch der Mythos von der weltweiten Verschwörung von Juden und Freimaurern, der Judeo- Marçonnerie, taucht auf. Der politische Antijudaismus entsteht als Reaktion auf die gerade erst erworbene Bürgerschaft und Gleichheit der Juden. Deren Gegner wollen die Rückkehr zu den diskriminierenden Vorschriften gegen Juden. 1879 erfindet Wilhelm Marr den Begriff Antisemitismus.

Der Antijudaismus erfährt große Veränderungen. Es geht nicht länger um den Kampf gegen ‘den Juden’ auf dem Gebiet von Glaube und Recht. Der Judenhass wird rassisch-biologischer Natur. Die Zugehörigkeit zur ‘jüdischen Rasse’ wird als  unabwendbar und endgültig angesehen. Diese Antirasse ist minderwertig und schädlich, ihr Blut ist schmutzig. Antisemiten erkennen dem ‘imaginären Juden’ jegliche Menschlichkeit ab und stellen ihn auf einer Stufe mit einem Parasit, einer Krankheit, die ausgerottet werden muss. Um ‘den Juden’ los zu werden, muss dieser physisch eliminiert werden. Der rassische Antisemitismus trägt so den Keim für einen Genozid in sich.
 
ARTHUR LANGERMAN
Arthur Langerman wird am 21. August 1942 in Antwerpen geboren. Die Besetzungsmacht verhaftet die komplette Familie am 28. März 1944. Mutter Zysla Blajwas und  Vater Salomon Langerman werden sofort in der Dossinkaserne inhaftiert. Arthur wird in den Kindergarten von Ukkel gebracht. Er steht unter der Aufsicht der Judenvereinigung von Belgien, einer Organisation die durch die Sipo-SS kontrolliert wurde. Die Eltern von Arthur werden mit Transport XXV am 19. Mai 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sein Vater stirbt. Seine Mutter wird im August 1944 von Auschwitz nach Ravensbrück gebracht, einem Lager nur für Frauen. Nach ihrer Rückkehr nach Belgien findet Zysla Blajwas ihren Sohn Arthur wieder. Als
schwer traumatisiertes Opfer wird sie nie über ihre Erfahrungen sprechen können. Arthur wächst in Antwerpen auf, umgeben von Stille und Geheimnissen.

Der Eichmannprozess (Jerusalem, 1961) löst beim jungen Arthur einen Erkenntnisprozess aus. Er wird vom Antisemitismus fasziniert und versucht die Ursachen und Folgen desselben zu ergründen. Als er 30 Jahre alt ist, beginnt Arthur trotz seiner anspruchsvollen professionellen Aktivitäten eine Sammlung. Am Ende seiner fruchtbaren Karriere kann er seiner Leidenschaft endlich mehr Zeit widmen. Arthur Langerman ist heute ein bekannter und respektierter Sammler und besitzt ca. 7000 Originale: Postkarten, Plakate, Karikaturen und Zeichnungen aus der Zeitung, Kunstwerke... Kazerne Dossin ist darum geehrt, Ihnen zwölf originale und herausragende Plakate präsentieren zu dürfen, die uns durch Herrn Arthur Langerman freundlich zur Verfügung gestellt wurden..